Bericht in der Heilbronner Stimme vom 14.03.2002

Von Karin Freudenberger

 

Städtepartnerschaften zwischen deutschen und ausländischen Gemeinden gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Doch wenige Verbindungen hat so enge Freundschaften und rege Besuchsaktivitäten zur Folge gehabt wie die "Gemellaggio" (Partnerschaft) zwischen Ellhofen und Peccioli.

Erste Gedanken wie "Wir könnten vielleicht..." tauchten in Ellhofen Anfang der 80er Jahre auf. Zunächst dachten die Verantwortlichen an eine Gemeinde in Österreich, der Schweiz oder im Elsass, um keine Sprachhürden aufzubauen. Doch Anfragen von Bürgermeister Georg Michl bei den europäischen Behörden in Brüssel und Straßburg blieben ohne Erfolg.

"Kommissar Zufall" half dann nach in Form der Partnerschaftshilfe aus Eberstadt. Als die toskanischen Freunden aus Montescudaio eintrafen, kamen drei Delegierte aus Peccioli mit, die im Weinsberger Tal auf "Brautschau" gehen wollten. Der erste Besuch in Ellhofen bewies "Liebe auf den ersten Blick".

Michl bediente sich eines einfachen Kunstgriffes, um die Partnerschaft von Anfang an auf eine breite Basis zu stellen: Er band schon beim ersten Treffen die ortsansässigen Vereine ein und ließ einen Partnerschaftsverein gründen. Im Oktober 1986 lernten dann die Ellhofener ihre Partnerstadt in spe kennen und waren begeistert von der herzlichen Aufnahme.

"Ich werde nie vergessen, wie wir mit Musikbegleitung durch den Ort geführt wurden und alle Menschen uns fröhlich zuwinkten", erinnert sich Georg

Pendzich, der erste Vorsitzende des Partnerschaftsvereins. Offiziell per Urkunde wurde die Freundschaft 1988 besiegelt.

Seitdem finden jedes Jahr zwei gegenseitige Besuche statt. Viele Bürger sind multinationale Freunde geworden. Die Ellhofener haben "ihre Pecciolesi", die sie als Gast im eigenen Haus begrüßen und umgekehrt. Von Anfang an haben die Partnerschaftsvereine in beiden Gemeinden Wert darauf gelegt, dass die Unterbringung privat erfolgt. Doch wenn im Sommer der Bus aus Ellhofen in Richtung Toskana fährt, ist das längst nicht der einzige Kontakt. "Ich war sogar bei der Hochzeit der Tochter meines italienischen Freundes eingeladen", erinnert sich Pendzich gerne an ein rauschendes Fest. Wenn die Delegationen der Vereine unterwegs sind, wird ein attraktives Ausflugsprogramm angeboten. So haben die Ellhofener bereits Pisa, Florenz und Volterra oder die Insel Elba kennen gelernt. Die Pecciolesi wiederum besuchten schon Rothenburg, Bamberg, Heidelberg oder Berlin. Wie aktiv man die Partnerschaft im Verein betreibt, zeigt der (fast) monatliche Stammtisch. An ersten Montag eines Monats kommen im Gasthaus " Linde" in Ellhofen rund 30 bis 40 Personen zusammen.

Als Trick bezeichnet der dritte Vorsitzende Roland Clärle das Punktesystem innerhalb des Vereins. Wer den italienischen Gästen ein Quartier zur Verfügung stellt, sich im Verein aktiv um die Organisation kümmert oder Tätigkeiten nachweisen kann, bekommt Bonuspunkte. Diese werden wieder "abgearbeitet", wenn ein Gegenbesuch in Italien ansteht. "So vermeiden wir, dass Leute mehrfach nach Peccioli fahren, ohne hier vor Ort je etwas zu tun", erklärt Clärle. Ende April kommen die Pecciolesi, die Weimar und Erfurt einen Zusatzbesuch abstatten wollen.

Im Sommer fahren dann die Ellhofener nach Bella Italia.

14.03.2002